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Jouko Lindstedt

Jouko Sakari Lindstedt
Geb. 15.7.1955 in Helsinki

1981 Magister der Philosophie, 1983 Lizenziat der Philosophie und 1985 Doktor der Philosophie (Slawistik) an der Universität Helsinki

1985 stellvertretender Professor für Slawistik, seit 1986 ordentlicher Professor

Veröffentlichungen, Forschungsprojekte und sonstige wissenschaftliche Aktivitäten (auf Englisch)

Forschungsthemen: die Entwicklung des Bulgarischen und Mazedonischen als Sprachen des Balkans; die Herkunft des Esperanto, seine spontane Veränderung und Umwandlung in eine Muttersprache; die Sprachpolitik auf dem Balkan und in der Europäischen Union; altkirchenslawische Sprache und Urzeit der slawischen Völker; südslawische Philologie;  Tempus,  Aspekt und  Evidentialität. Lindstet arbeitet mit der Gruppe "Helsinki Area & Language Studies" zusammen, die die sprachliche Vielfalt und die Ökologie der Sprache untersucht sowie Feldarbeit in kleinen Sprachgemeinschaften macht.

Bild: Valokuvaamo Helläkoski, Lahti
Verfasser: Jouko Lindstedt und Riitta-Ilona Hurmerinta (Hrsg.)
Übersetzerin: Tanja Suitiala

Esperantist und Linguist

Jouko Lindstedt benutzt Esperanto täglich in seiner Familie und meint, es sei seine flüssigste Sprache nach dem Finnischen, obwohl er beruflich Bulgarisch und Mazedonisch untersucht. Er sagt, dass die meisten Linguisten sich vorsichtig gegenüber Esperanto verhielten: Die Idee einer bewusst kreierten Sprache wirkt nach Meinung der Wissenschaftler, die "natürliche Sprachen" erforschen, merkwürdig oder zumindest sehr uninteressant. Selbst ist Lindstedt der Ansicht, dass Esperanto ein Teil seiner Identität als Sprachforscher ist, und zwar in mehrfacher Weise.

Er wäre vielleicht nie Sprachforscher geworden, wenn er nicht zufällig als 14-Jähriger Esperanto mithilfe eines Radiokurses gelernt hätte. Die klaren und einfachen Strukturen in der Grammatik und Wortbildung des Esperantos ermutigten ihn, Systematik auch in anderen, komplexeren Sprachen zu suchen. Demnach war Esperanto für den jungen Lindstedt eine Art Selbstlernkurs zur strukturellen Sprachforschung.

Die Grundidee des Esperanto, dass alle Sprachen der Welt gleichwertig sind und dass die Sprecher der großen Sprachen keine Privilegien in der internationalen Kommunikation haben dürften, hat dazu geführt, dass Lindstedt Sprachpolitik und Soziologie der Sprache untersucht.

Die spannendste Seite von Esperanto ist jedoch seiner Meinung nach das, was nicht bewusst kreiert wurde. In der schon mehr als hundert Jahre alten Geschichte des Esperanto sind in der Sprache einige Veränderungen aufgetreten, über die nicht bewusst entschieden worden ist, sondern die einfach spontan in der Sprachgemeinschaft aufgetreten sind. Es gibt auch Esperanto-Muttersprachler, deren Sprachbenutzung man angefangen hat zu untersuchen. Esperanto hat sich also einigermaßen den "natürlichen" Sprachen angenähert, und es hat bestimmt der Sprachwissenschaft, die allgemeine Regelmäßigkeiten und Grenzen der humanen Sprachen untersucht, noch etwas zu geben.

Bild: Sofia Bister.​​
Bild: Sofia Bister.​​

 

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